Vereinsgeschichte der Ortsgruppe

Über 115 Jahre Schwäbischer Albverein – über 115 Jahre in einer Zeit, die 2 Weltkriege, zahlreiche Revolutionen und viele andere Brüche erlebte. Gemessen an den Turbulenzen dieses Jahrhunderts entwickelte sich die Geschichte unseres Vereins eher stetig, von gewissen Kriterien einmal abgesehen. Fangen wir bei den Pionieren den Männer und Frauen, die über die Jahrzehnte die Fahne des Albvereins hochhielten, an.
Ende 1897, es war ein Jahr nach den ersten olympischen Spielen der Neuzeit, in einer schweren Epoche, in der ein 8-Stundenarbeitstagtag, 30 Tage Urlaub, Auto, Motorrad, Radio, Smartphone,… Dinge waren, die es nicht einmal in den Vorstellungen der Menschen gab. Die Menschen, um ein kleines Auskommen zu haben, lange Fußmärsche in Kauf nehmen mussten, um zu Ihren Arbeitsplätzen zu kommen oder ihre landwirtschaftlichen Produkte auf den Märkten der Städte zu verkaufen.
In diese Zeit fiel die Geburtsstunde der Ortsgruppe Hattenhofen im Schwäbischen Albverein durch 8 Bürger unserer Gemeinde. Gerade einmal neun Jahre zuvor war der Schwäbische Albverein in Plochingen gegründet worden.
Die Hattenhöfer Männer der ersten Stunde sind:

  • Die Gastwirte Blessing, zum Adler und Friedrich Buchele, zum Löwen
  • Der Dreher Christian Bäuchle
  • Der Maler Friedrich Rapp,
  • Die Lehrer Johannes Jauß und Hermann Rottweiler
  • Der Schultheiß Christian Jakober
  • und last but not least der noch vielen älteren Bürgern bekannte Kaufmann Emil Walter.
    Dessen Sohn Emil führte lange Jahre nach dem 2. Weltkrieg die Ortsgruppe.

Ende 1897 stießen noch 3 weitere Bürger zu dieser Gruppe:

  • – Pfarrer Fricker
  • – Lehrer Jauch.
  • und der Gastwirt Andreas Siller zur Krone

An dieser Stelle fragt man sich, ob denn die meisten Lokale in Hattenhofen sonntags geschlossen hatten, wenn die Wirte wanderten.

Der Hauptverein zählte Ende 1897 bereits 20 186 Mitglieder in 1621 Orten. Die Mehrzahl der Mitglieder wohnte damals auf und an der Alb. Der Mitgliederbeitrag betrug , übrigens 25 Jahre lang, 2,- Mark jährlich, wozu noch von den Ortsgruppen Zuschläge zwischen 10 Pfennig bis 1 Mark erhoben werden konnten.
Ab 1900 waren es lange Jahre 3 – 4 aufrechte Bürger die gemeinsam den Verein am Leben hielten. Natürlich stand das Wandern von Beginn an im Mittelpunkt des Vereins. Es sollte die Menschen aus dem damaligen Alltag, Arbeit – Arbeit und nochmals Arbeit heraus in die Natur und in die frische Luft der Schwäbischen Alb locken. Lohnende Ziele waren Wasserberg, Boßler, Teck, Hohenneuffen und der Schurwald.
Nach dem 1. Weltkrieg, in schweren Zeiten von Inflation und Arbeitslosigkeit erfreute sich das Wandern, besonders bei der damaligen Jugend großer Beliebtheit. Musik und Gesang gehörten damals mehr als heute einfach dazu.
Der 2. Weltkrieg brachte eine Unterbrechung, bis 1948 einige wanderfreudige Frauen und Männer um Erwin Maier, Erwin Veyl und Ernst Liebrich wieder Leben in den Verein brachten. Die letzten 50 Jahre waren geprägt von einem sehr aktiven Vereinsleben.
Ab 1948 führte Erwin Maier 10 Jahre lang als Vertrauensmann und gemeinsam mit Ernst Liebrich als Wanderwart jeden Monat Wanderungen mit sehr hoher Beteiligung.
Damals wurde bereits Buch geführt. So ist aufgelistet, wie viele Mitglieder sich bei den Wanderungen einfanden:
Zum Beispiel nahmen 1954 durchschnittlich 27 Albvereinler, das entsprach 40 % der Mitglieder, an den angebotenen Wanderungen ab Hattenhofen in unsere nähere Heimat teil. Es wurde damals noch in einer Hattenhofer Albvereinstracht, im Gegensatz zu heute in Jeans, gewandert.
In dieser Zeit war nicht der Wanderstock, der Rucksack oder das Auto wichtigstes Utensil der Wanderer, sondern zu jedem Albvereinler, darunter verstehe ich auch die vielen Frauen, war das Albvereins-Liederbuch ein ständiger Begleiter. Kurz gesagt, zu dieser Zeit, im Gegensatz zu heute, wurden viele Lieder gemeinsam auf den Wanderungen gesungen. In dieser Zeit entstand eine Jugendgruppe von 16 -20 jährigen, die gemeinsam viele Aktivitäten starteten. Von diesen sind heute noch viele, inzwischen passive, Mitglieder des Vereins.
20 Jahre, von 1958 – 1978, war der damalige Wanderwart und spätere Vertrauensmann Hans Peter Alt die treibende Kraft der Ortsgruppe. Er motivierte viele Hattenhöfer Monat für Monat, unsere schöne Heimat zu entdecken.
Das damals aufstrebende Hauptvergnügungsmittel, das Fernsehen, hatte solange Pause. Am Sonntag gab es für die Albvereinler eine sinnvollere Freizeitbeschäftigung. Dies war jedoch eine Zeit, in der man ziemlich wehleidig belächelt wurde, wenn man das Wort „Wandern“ in den Mund nahm. Es war die Zeit des Aufbruchs, die Zeit in der die Bevölkerung, nach langen Jahren eisernen Sparens, langsam zu Vermögen kam. Dieses wollte man den „anderen“ auch zeigen. Autofahren den ganzen Sonntag lang, große weite Reisen, in Vergnügungsparks und Rockkonzerte gehen, lagen im Trend der Zeit. Es war Hans Peter Alt, der eisern durchhielt und in diesen Jahren gemeinsam mit dem damaligen Vertrauensmann Emil Walter gegen den Strom schwamm, oder besser wanderte. Es gibt Gerüchte, die besagen, dass in der Zeit zwischen 1960 – 1965 der Wanderwart oftmals über Wiesen und Nebenwegen zum Rathaus schlich, um zu schauen, ob sich ein Wanderer zur ausgeschriebenen Wanderung verirrt hatte. Oftmals war sein Weg umsonst und so machte er sich noch unauffälliger, zwischen den Streuobstbaumgrundstücken hindurch, auf den Weg zurück nach Hause. Niemand im Flecken sollte sehen, dass der Albverein auf einmal „out“ war. All diese Unannehmlichkeiten nahm er in Kauf, und es kehrte wieder Leben im Hattenhöfer Albverein ein.
1966 kam dann der große Aufschwung. Hans Peter Alt hatte die Zeichen der Zeit erkannt und gründet eine Jugendgruppe. 17 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 19 Jahren folgten seinem Ruf. im Handarbeitsraum der Katharine – Weeger – Siller Stiftung, dem Vorgänger unserer heutigen Sillerhalle, traf man sich, um unter der Leitung von Sigrid und Hans Peter Alt Volkstänze zu erlernen. Basteln und Gesellschaftsspiele rundeten das Angebot damals ab. Für die Jugendlichen waren natürlich die Ausflüge und Wanderungen mindestens genauso wichtig. Und so war Pfingsten 1966 ein Meilenstein in der damals aufstrebenden Vereinsarbeit. Die erste Mehrtageswanderung der Ortsgruppe fand statt. Zu Fuß von Hattenhofen zur Jugendherberge Esslingen, im Wald unterwegs wurde noch ein Schubkarren konfisziert, um das immer schwerer werdende Gepäck zu transportieren, weiter zur Jugendherberge Schorndorf und zurück nach Hattenhofen.
Damals wurde noch mit dem Vereinswimpel, ein absolutes Muss, gewandert und mit dem Naturschutz nahm man es auch noch nicht so genau wie heute, Geld hatten die Jugendlichen eh keines und so gab’s eben Wurst aus der Büchse.
Diese musste anschließend entsorgt werden und so nahm just auf dieser Wanderung einer der Jugendlichen den Vereinswimpel mit seiner Stahlspitze als Spaten und versuchte auf einer Wiese das Delikt zu vergraben. Doch leider war der Boden zu hart und der Wimpel hielt der Kraft des Burschen nicht stand. So musste der Heimweg mit einer gebrochenen Fahne angetreten werden. Aber dieses war kein böses Omen.
In den folgenden 30 Jahren entwickelte sich der Verein kontinuierlich aufwärts.
Hans Peter Alt hatte, auf den Wanderungen, die er allesamt selbst führte, eine hohe Beteiligung zu vermelden. Dieses bedeutete natürlich auch einen großen Aufwand, sprich Vorwandern und das Aufspüren von attraktiven Wanderzielen.
Ab 1974 wurde diese Arbeit auf mehrere Schultern verteilt. Eine Gruppe von Mitgliedern erklärte sich bereit, Wanderungen zu führen. Das hatte natürlich den Vorteil, dass Hans Peter Alt sich endlich auch einmal nur an der Natur erfreuen konnte und nicht immer verpflichtet war, auf seine Schäflein aufzupassen.
Durch die inzwischen längst eingetretene Mobilität, die uns das Auto verschaffte, wurden neue, fernere Ziele in Tages- und Mehrtageswanderungen angepeilt.
Ein Rückblick auf einige Zielgebiete der Mehrtageswanderungen in der Zeit von  Mitte der 1970ger Jahre bis zum Vereinsjubiläum im Jahr 1997 sei erlaubt:

  • Rätikon und Douglashütte
  • Chur – Filisur – Arosa in der Schweiz
  • Fränkische Schweiz mit Pottenstein
  • Passau und der Naturpark Bayerischer Wald
  • Westlicher Bodensee und das Wasseraufbereitungswerk in Sipplingen
  • Hochrhön mit Wasserkuppe und Milseburg
  • Oberschwaben mit Bad Schussenried und dem Federsee

es waren noch viele viele mehr.
Dies zeugt von einer sehr regen Vereinstätigkeit der aktiven Wandergruppe bis zum heutigen Tag.
Nicht zu vergessen die vielen ungenannten Tages- und Halbtageswanderungen. Sowie die Teilnahme einer großen Anzahl Wanderer am alljährlich vom Filsgau organisierten Wandersonderzug.
Seit Frühjahr 1985 hat die Ortsgruppe ein 2. Standbein: Unsere Seniorengruppe, gegründet von Erwin Maier. 8 Jahre führte er gemeinsam mit seiner Frau, die von ursprünglich 35 bis später auf über 50 ständig wachsende Zahl von Teilnehmern im Seniorenalter. Ziele in unserer näheren Heimat mit anschließendem, gemütlichen Beisammensein, wurden erwandert. Seit 1993 bis über das Jübiläum hinaus führen diese Gruppe, genauso erfolgreich, Helene und Ernst Wöhrle. Aktuell (im Jahr 2014) und bereits seit einigen Jahren wird die Seniorengruppe von Ernst Frech und einigen Mitstreitern geführt.
Auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Frühpensionierungen hoffen wir weiterhin auf eine sehr aktive Seniorengruppe mit vielen Mittwochswanderungen und geselligem Beisammensein.
Die Ortsgruppe beteiligt sich seit dem ersten Schülerferienprogramm der Gemeinde im Jahre 1978 mit einem Angebot.
Daraus entstand, aus einem am 10. und 11. Juli 1989 durchgeführten Angebot „Volkstänze für Kinder“ eine erneute Jugend-Volkstanzgruppe des Vereins. Sie war bis 1999 ein fester Bestandteil der Ortsgruppe. Die Aktivitäten umfassten: 1 X wöchentlich erlernen von Volkstänzen, Sketche einüben, Fahnenschwingen und gemeinsame Gesellschaftsspiele.
Verbunden mit Radfahrten, Hallenbadbesuchen, Nachtwanderungen, Faschings- und Weihnachtsfeiern, sowie Teilnahme an den Angeboten der „Filsgaujugend“. Hier ist einiges geboten. Seit der Übernahme der Patenschaft des Biotopgeländes „ehemaliger Auffüllplatz“ durch die Ortsgruppe entstand für die Gruppe ein weiteres Betätigungsfeld im aktiven Naturschutz. Nicht zu vergessen die Mehrtagestouren mit Bahn und Fahrrad.
Auch hier in Stichworten einige Zielgebiete:

  • Mit dem Rad zum Götzenbachsee

Mit der Bahn:

  • ins Maintal nach Ochsenfurt und Rothenburg
  • zum Plettenberg und Jugendherberge Lochen
  • ins schöne Bad Wimpfen
  • nach Sigmaringen und Blaubeuren
  • Ins Deutsche Museum nach München und nach Passau
  • Ins Bahnmuseum, zur Burg und ins Spielzeugmuseum Nürnberg

Aber was wäre die Ortsgruppe ohne die Sonnwendfeier am Lindele. Die Sonnwendfeier entstand der Not gehorchend aus Geldmangel in der Vereinskasse. Denn mit Zuschüssen für die Ortsgruppe aus den Mitgliedsbeiträgen war und ist höchster Sparzwang notwendig, um am Jahresende nicht in die roten Zahlen abzurutschen. Von Investitionen für und in die Jugend und Sachgegenständen ganz zu schweigen.
Aus Einnahmen durch Arbeit, sprich Ausrichten von Veranstaltungen, ist eine einigermaßen, finanzielle unabhängige Vereinsarbeit erst möglich. Die Sonnwendfeier ist für viele Bürger von Hattenhofen und Umgebung, die ansonsten mit dem Albverein nichts am Hut haben, die Aktivität des Vereins. Es gibt sogar den, vielleicht nicht ganz ernst zunehmenden Ausdruck, vom Sonnwendfeierverein. Seit mitte der 1970ger Jahre, zuerst in jährlichem, seit 1985 in zweijährigem Rhythmus im Wechsel mit dem Dorffest bereits eine Tradition im Gemeindeleben. Bei schönem Wetter strömten bis zu 1000 Besucher auf den Festplatz. Oftmals hatte allerdings der Wettergott kein Erbarmen mit uns. Regenwetter und Kühle am Abend trübten ein wenig die Festlesfreude.
Da die Anzahl derer, die an der Sonnwendfeier schafften leider über die Jahre zurück ging, entschied die Ortsgruppe die Sonnwendfeier im Jahr 2012 der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr „weiterzugeben“ seit dem findet die Sonnwendfeier unter neuer Leitung, aber mit ähnlichem Konzept, wieder jährlich am Lindele statt.

In eine Chronik gehören immer auch Zahlen und Namen.
Nachfolgend sind aber nur die 2. 50 Jahre des Bestehens unserer Ortsgruppe dokumentiert.
Die Vertrauensleute, heute Vorsitzende, der Ortsgruppe waren
von 1948 – 1957 Erwin Maier
1957 – 1959 Ernst Liebrich, später in Eislingen aktiv und wohnhaft
1959 – 1978 Emil Walter
1978 – 1983 Hans Peter Alt
1983 – 1987 Uwe Steinert
1987 – 1995 gemeinsam Ernst Frech, Werner Jäckel und Hans Haller
1995 – ??? gemeinsam Ernst Frech und Hans Haller
Aktuell: Hans Haller

Die Funktionsträger konnten die Vereinsziele nur erfüllen unter Mithilfe der vielen ungenannten Albvereinsfreunde die treu zur Stange hielten, denen keine Arbeit zu viel war, sei es als stellvertretender Vertrauensmann, Kassier, Wanderwart, Schriftführer, Pressebeauftragter, Wege- und Streckenpfleger, Wirtschafter, Naturschutzbeauftragter, Organisator der Sonnwendfeiern, Mitarbeiter beim Holzholen und Durchführung von Festen.
Ihr gemeinsames Ziel war und ist es die Ortsgruppe Hattenhofen im Schwäbischen Albverein mit Leben zu erfüllen.
Ein Auszug aus den Mitgliederzahlen seit 1954 zeigt einen insgesamt positiven Aufwärtstrend.
1954 67 Mitglieder
1965 43 Mitglieder
1966 Neueintritt von 17 Jugendlichen
1976 70 Mitglieder
1979 80 Vereinsmitglieder
1981 bereits 90 Vereinsmitglieder
10 Jahre später 125
Im Jubiläumsjahr 1997: 127 Mitglieder inklusive Familien- und Jugendmitgliedschaften. Der Durchschnitt aller Mitglieder betrug etwas über 53 Jahre.

Quelle: Der größte Teil dieser Chronik ist aus der Festrede anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Ortsgruppe 1997. Mehrfach aktualisiert. Zuletzt: 01. Mai 2014